Die Kunsthalle und das Ende des II. Weltkriegs am 8. Mai 1945

Die Kuppel des Jugendstilbaus der Kunsthalle wurde bei den Luftangriffen auf Mannheim schwer beschädigt und nach dem Krieg wiederhergestellt (Aufnahme um 1950; Foto: Kunsthalle Mannheim)

Die Kuppel des Jugendstilbaus der Kunsthalle wurde bei den Luftangriffen auf Mannheim schwer beschädigt und nach dem Krieg wiederhergestellt (Aufnahme um 1950; Foto: Kunsthalle Mannheim)
Die Kuppel des Jugendstilbaus der Kunsthalle wurde bei den Luftangriffen auf Mannheim schwer beschädigt und nach dem Krieg wiederhergestellt (Aufnahme um 1950; Foto: Kunsthalle Mannheim)
Die Kunsthalle und das Ende des II. Weltkriegs am 8. Mai 1945
08.05.20
Mathias Listl

Mit der Kapitulation der Wehrmacht heute vor genau 75 Jahren kamen auch für die Kunsthalle zwölf dunkle Jahre zu einem endgültigen Abschluss. Die NS-Diktatur bildete für das Museum einen tiefgreifenden Einschnitt, dessen Konsequenzen zum Teil bis heute schmerzhaft nachwirken. Dabei ist nicht nur an die fast 600 Gemälde, Skulpturen und Graphiken der Kunsthalle zu denken, die 1937 von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“  beschlagnahmt und anschließend oftmals zerstört wurden. Auch viele eng mit der Institution verbundene  Menschen mussten schwer unter dem nationalsozialistischen Terror leiden oder verloren durch ihn ihr Leben. Wie für alle deutschen Kunsteinrichtungen bedeutete der 8. Mai 1945 schließlich auch für die Kunsthalle eine Befreiung von der NS-Propaganda, die zwischen 1933 und 1945 maßgeblichen Einfluss darüber hatte, welche Künstler ausgestellt und welche Kunstwerke für die Sammlung angekauft wurden.

An einen regulären Ausstellungsbetrieb war nach Kriegsende allerdings nicht sofort zu denken. Neben der notdürftigen Behebung der kriegsbedingten baulichen Zerstörungen musste dafür auch erst einmal die Kunst in die Museumsgebäude zurückkehren. Zum Schutz vor den Luftangriffen der Alliierten war nämlich ein Großteil der Sammlung ab September 1943 in verschiedene Depots in Burgen, Schlössern oder Bergwerksstollen der näheren Umgebung ausgelagert worden. Vor der Rückgabe an die Kunsthalle untersuchten dann die Alliierten die eingelagerten Kunstwerke. Sie prüften, ob sich unter ihnen Objekte befanden, die NS-Verfolgten geraubt worden waren. 

Erst im März 1946 konnte die Kunsthalle deshalb wieder ihre Türen für das Publikum öffnen. Dieses bekam in mehreren aufeinander folgenden, jeweils als Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts betitelten Sammlungspräsentationen Arbeiten von vielen der Künstler zu sehen, die nur wenige Jahre zuvor von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschimpft wurden. Den Auftakt machten u. a. Werke von Ernst Barlach, Erich Heckel, Emil Nolde und Christian Rohlfs.   

Weitere Blogbeitraege

Informel und Monochromie: ein neu kuratierter Kubus im Neubau

Ab 18. November 2022 steht das Ausstellungsgeschehen in der Kunsthalle ganz unter dem Motto „Becoming CoBrA. Anfänge einer europäischen Kunstbewegung“. Der Name der Künstler*innengruppe, die von 1948 bis 1951 existierte, setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam zusammen, aus denen die Gründungsmitglieder stammten.... Blogbeitrag lesen

Kunst, kinderleicht…

Jeden Tag ist die Kunsthalle das Ziel ganz unterschiedlicher Personen: Familien, Reisende, Berufstätige und Senior*innen, Fachleute und Laien, Kinder und Jugendliche, Kunstbegeisterte und Kunstskeptiker*innen. Besonders erfreulich ist aber, dass täglich auch Kindergartengruppen und Schulklassen mit ihren Erzieher*innen und Lehrkräften vorbei kommen. Für... Blogbeitrag lesen

URBAN NATURE von Rimini Protokoll: Theateraufführung oder Museumsausstellung?

Sowohl Museen als auch Theater sind Orte der Sichtbarmachung. Das Museum stellt als White Cube, als weißer, unangetasteter Raum, Kunst aus. Das Theater dient als Black Box, als schwarzer Container, der mit Geschichten gefüllt werden kann. Beide Institutionen haben eine besondere Wirkmacht. Alles, was auf der Bühne passiert, ist Theater. Alles, was im Museum... Blogbeitrag lesen

Ein Wohnzimmer für die Stadtgesellschaft in der Kunsthalle - Was ist partizipatorische Programmgestaltung?

„I define a participatory cultural institution as a place where visitors can create, share, and connect with each other around content“, so Nina Simon, Kuratorin und Autorin von „The participatory Museum“ (2010) und „The Art of Relevance“ (2016). Laut Simon können Besucher*innen einer partizipativen Kulturinstitution eigene Ideen und Objekte einbringen,... Blogbeitrag lesen

Das soll Liebe sein!? Hanna Nagels Blick auf das Verhältnis der Geschlechter

Hanna Nagel (1907-1975) beschäftigt sich schon sehr früh mit dem Verhältnis der Geschlechter, mit der Beziehung zwischen Mann und Frau in weit gespanntem Blick von der Liebesbeziehung bis zur Auflösung von traditionellen genderspezifischen Rollenmustern. Sie tut dies in den Jahren zwischen 1928 und 1932 intensiv wie kaum eine andere Künstlerin ihrer Zeit... Blogbeitrag lesen

MELDEN SIE SICH FÜR DEN NEWSLETTER AN

Die Kunsthalle Mannheim informiert Sie regelmäßig über das Museum, aktuelle Ausstellungen und Veranstaltungen.

Anmelden