"Entartete Kunst" in der Kunsthalle Mannheim

Marc Chagall, Die Prise, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle Mannheim, Kurt Schneyer

Marc Chagall, Die Prise, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle Mannheim, Kurt Schneyer
"Entartete Kunst" in der Kunsthalle Mannheim
18.03.21
Mathias Listl

"Entartete Kunst" – mit diesem aus der Medizin übertragenen Schlagwort hetzten die Nationalsozialisten schon in den 1920er-Jahren gegen weite Teile der modernen Kunst. Was aus ihrer Sicht nicht der eigenen kruden Kunstauffassung entsprach, also künstlerisch "aus der Art geschlagen" wäre, wurde ab 1933 aber nicht nur mit Worten herabgewürdigt: Viele der als "entartet" diffamierten Künstler wurden mit Berufsverbot belegt und waren – wie auch viele Händler moderner Kunst – zur Emigration gezwungen. Und viele der von diesem Vorwurf betroffenen Kunstwerke wurden in deutschen Museen aus den Sammlungen entfernt, in Propagandaausstellungen öffentlich angeprangert und danach oftmals zerstört.   

Auch die Kunsthalle Mannheim zählt zu den über 100 Institutionen, in denen im Sommer 1937 derartige Konfiszierungen stattfanden. Am 8. Juli 1937 beschlagnahmte eine Delegation unter Führung von Adolf Ziegler (1892-1959), dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, insgesamt 58 Kunstwerke, die anschließend in der Ausstellung "Entartete Kunst" in den Münchner Hofgartenarkaden öffentlich zur Schau gestellt wurden. Über 500 Gemälde, Skulpturen und graphische Arbeiten wurden am 28. August 1937 in einer weiteren Aktion aus den Sammlungen der Kunsthalle entfernt. Im Anschluss wurden einige von ihnen gegen Devisen ins Ausland verkauft, viele allerdings auch zerstört. Von anderen ist der weitere Verbleib seitdem unbekannt. Nur wenige befinden sich heute wieder im Bestand unseres Museums.

Zum Abschluss der Ausstellung (Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen, die dem Thema der „Entarteten Kunst“ einen Raum gewidmet hat, stellt am 25. April Prof. Dr. Christoph Zuschlag von der Universität Bonn im Rahmen eines Vortrags das Schicksal eines der 1937 in der Kunsthalle beschlagnahmten Werke im Detail vor. Das Gemälde Die Prise (Der Rabbiner), 1926 von Marc Chagall gemalt und heute im Besitz des Kunstmuseums Basel, zeigt besonders eindrücklich, wie perfide die nationalsozialistische Propaganda gegen die moderne Avantgarde hetzte und dabei nicht zuletzt auch ganz gezielt gegen jüdische Künstler und Kunsthändler Stimmung machte. 

Vormerken:
Sonntag, 25. April 2021, 11.00 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Christoph Zuschlag, Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn,
"Die Prise (Der Rabbiner) von Marc Chagall – ein Gemälde aus der Kunsthalle Mannheim im Visier nationalsozialistischer Kunstpolitik"

Aufgrund der aktuellen Pandemielage ist derzeit noch offen, ob der Vortrag in der Kunsthalle stattfinden kann oder online durchgeführt wird.