Kunsthalle Mannheim und Hector-Stiftung verleihen den Hector Preis: Hiwa K wurde am 22.01.2019 von Jury zum Preisträger 2019 gewählt

Kunsthalle Mannheim und Hector-Stiftung verleihen den Hector Preis: Hiwa K wurde am 22.01.2019 von Jury zum Preisträger 2019 gewählt
24.01.19
Marina Leuning

Der Hector Preis-Träger 2019 heißt Hiwa K. In einem dreistufigen Wahlvorgang hat die Jury den Preisträger am Dienstag, 22.01.2019 aus einer Auswahl von 14 nominierten Künstler*innen und Kunstkollektiven einstimmig gewählt. Der aus Sulaimaniyya im kurdischen Teil des Irak stammende Künstler (Jahrgang 1975) lebt seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und hat mit seinem umfangreichen Werk einen elementaren Beitrag zum interkulturellen Verständnis zwischen der arabischen, kurdischen und europäischen Lebenswelt geleistet.

Das intermediale, skulpturale und oft in Videoinstallationen gezeigte Werk von Hiwa K besticht durch seine formale, erzählerische und anthropologische Qualität. Seine vielschichtigen, emotional aufgeladenen und politisch spannungsreichen Arbeiten (u.a. auf der documenta14 in Kassel zu sehen) greifen auf eigene, existentielle Erfahrungen zurück und beziehen sich auf Menschen und Objekte, die dem Künstler dabei begegnet sind. Der weite thematische Horizont seiner Kunst erfasst die jüngste Zeitgeschichte mit den kriegerischen Konflikten um seine Heimat Kurdistan ebenso wie die Verstrickung von Politik und Kunst in der Neuzeit in Italien oder die postkoloniale Beschäftigung mit der Beziehung zwischen Europa und Lateinamerika. Auf der Biennale von Venedig 2015 präsentierte der Installationskünstler z.B. eine Glocke aus militärischen Abfallprodukten des Iran-Irak-Krieges (1980–1988) und der beiden Golfkriege (1991, 2003).

„Hiwa K, der als Kurde aus dem Irak fliehen musste, beschäftigt sich in seinem Werk mit den großen Herausforderungen unserer Zeit: Migration, Fragen der Zugehörigkeit und dem Thema Nationalismus. Ausgehend von seiner eigenen Geschichte gelingt es ihm, diese komplexen Fragen sowohl konzeptionell wie auch formal überzeugend umzusetzen und Werke von tiefer Menschlichkeit zu schaffen“, erläutert die Jury ihr Urteil. „Darüber hinaus bestechen die künstlerischen Strategien von Hiwi K durch präzise Analysen global-gesellschaftlicher Verhältnisse und durch ihre umfassende Gültigkeit: Individuelle Erfahrungswerte finden ebenso Eingang in seine Kunst wie allgemein gültige Aussagen über Macht und deren Ausübung.“

Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim, freut sich über die einstimmige Jury-Entscheidung: „Das Werk von Hiwa K reiht sich ein in die Sammlung der Kunsthalle Mannheim, die seit ihrer Gründung Anfang des 20. Jahrhunderts um existenzielle Fragen kreist. Darüber hinaus bezieht Hiwa K in seiner Kunst Stellung und mischt sich ein in aktuelle gesellschaftliche Debatten – um Krieg, Ausgrenzung, Macht, Flucht, Identität und Herkunft. Diese Art der Auseinandersetzung suchen wir mit unserer neuen Kunsthalle, die sich einmischen und in die Gesellschaft hinein wirken will.“

Seit 1997 vergeben die Kunsthalle Mannheim und die H.W. & J. Hector-Stiftung im dreijährigen Rhythmus den Hector Kunstpreis für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Die Auszeichnung fördert Künstler, die in Deutschland leben, zwischen 35 und 50 Jahre alt sind und im dreidimensionalen Bereich der Bildhauerei, Objektkunst, Raum- und Multimediainstallation arbeiten. Damit unterstreicht der Hector Preis den Mannheimer Sammlungsschwerpunkt Skulptur. Er ist mit 20.000 € dotiert und mit einer Ausstellung in der Kunsthalle sowie begleitender Publikation verbunden. Unter den bisherigen Preisträgern waren Alicja Kwade, Nairy Baghramian, Tobias Rehberger, Florian Slotawa und Gunda Förster.

Die Jury 2019 setzte sich zusammen aus:

  • Antonia Alampi, Artistic Co-Director, SAVVY Contemporary – The Laboratory of Form-Ideas, Berlin
  • Dr. Sebastian Baden, Kurator zeitgenössische Kunst, Kunsthalle Mannheim
  • Dr. Andreas Beitin, Direktor, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen
  • John Feldmann, Mitglied im Kuratorium der H.W. & J. Hector Stiftung II
  • Krist Gruijthuijsen, Direktor, KW Institute for Contemporary Art, Berlin
  • Dr. Thomas Köllhofer, Kurator Graphische Sammlung, Kunsthalle Mannheim
  • Mirjam Varadinis, Kuratorin, Kunsthaus Zürich.


Für den Hector-Preis 2019 nominiert waren neben Hiwa K:

  • Julius von Bismarck, D, *1983, Berlin
  • Simon Denny, NZ, *1982, Berlin
  • Jason Dodge, USA, *1969, Berlin
  • FORT (Alberta Niemann, D, *1982, & Jenny Kropp, D, *1978), Berlin
  • Simon Fujiwara, GB, *1982, Berlin
  • Judith Hopf, D, *1969, Berlin
  • Sofia Hultén, SWE, *1972, Berlin
  • Anne Duk Hee Jordan, KOR, *1978, Berlin
  • Veit Laurent Kurz, D, *1985, Berlin/ Frankfurt
  • Michaela Meise, D, *1976, Berlin
  • Peles Empire (Katharina Stöver, D, *1982, & Barbara Wolff, ROU, *1980), Berlin
  • Yorgos Sapountzis, GR, *1976, Berlin
  • Viron Erol Vert, D, *1975, Berlin und Istanbul


Die Werke von Hiwa K werden vom 05. Juli bis 01. September 2019 im Rahmen des Hector Preises 2019 in der Kunsthalle Mannheim präsentiert, kuratiert von Dr. Sebastian Baden.

Gefördert durch die H.W. & J. Hector Stiftung.

Die Jury des Hector Preises 2019 (v.l.n.r.): John Feldmann, Dr. Thomas Köllhofer, Dr. Sebastian Baden, Mirjam Varadinis, Krist Gruijthuijsen, Antonia Alampi und Dr. Andreas Beitin, Foto: Kunsthalle Mannheim/ Heiko Daniels

Die Jury des Hector Preises 2019 (v.l.n.r.): John Feldmann, Dr. Thomas Köllhofer, Dr. Sebastian Baden, Mirjam Varadinis, Krist Gruijthuijsen, Antonia Alampi und Dr. Andreas Beitin, Foto: Kunsthalle Mannheim/ Heiko Daniels
Die Jury des Hector Preises 2019 (v.l.n.r.): John Feldmann, Dr. Thomas Köllhofer, Dr. Sebastian Baden, Mirjam Varadinis, Krist Gruijthuijsen, Antonia Alampi und Dr. Andreas Beitin, Foto: Kunsthalle Mannheim/ Heiko Daniels
Die Jury des Hector Preises 2019 (v.l.n.r.): John Feldmann, Dr. Thomas Köllhofer, Dr. Sebastian Baden, Mirjam Varadinis, Krist Gruijthuijsen, Antonia Alampi und Dr. Andreas Beitin, Foto: Kunsthalle Mannheim/ Heiko Daniels