„Mannheim wächst. Bilder einer Industriestadt“ eröffnet am 06.12.2018 in der Graphischen Sammlung der Kunsthalle Mannheim

„Mannheim wächst. Bilder einer Industriestadt“ eröffnet am 06.12.2018 in der Graphischen Sammlung der Kunsthalle Mannheim
12.11.18
Marina Leuning

Rauchende Schlote und Hafenkräne, der nächtliche Wasserturm von elektrischem Licht bestrahlt, Plakate für Benz-Automobile und Werbung für Flugmotoren: In Ergänzung und Erweiterung der Großausstellung „Konstruktion der Welt. Kunst und Ökonomie“ präsentiert die Graphische Sammlung eine Ausstellung, die den Fokus auf Mannheim als Industriestadt lenkt. Kurator Dr. Thomas Köllhofer zeigt unter dem Titel „Mannheim wächst. Bilder einer Industriestadt“ (07. Dezember 2018 bis 10. März 2019) Zeichnungen, Druckgraphiken und Plakate vor allem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus den Sammlungen der Kunsthalle Mannheim und des Marchivum, die die Produktion, den Hafen und den Verkehr als Motoren der prosperierenden Wirtschaftsmetropole in den Mittelpunkt rücken.

Die Graphiken führen vor Augen, wie sehr die Eigenwahrnehmung Mannheims von einer dynamischen Industrie- und Großstadtästhetik geprägt war. Qualmende Schornsteine, Ladekräne, Eisenbahnschienen und Autobahn wurden zu Symbolen der Moderne. Das schlagkräftig gestaltete Plakat eroberte als optisch wirksamer Werbeträger den öffentlichen Raum. Eröffnet wird die Ausstellung in der Graphischen Sammlung der Kunsthalle Mannheim am Donnerstag, 06.12.2018 (19 Uhr) in der Kuppelhalle des Jugendstilbaus.

Die geographische Lage zwischen Rhein und Neckar ließ Mannheim seit dem frühen 19. Jahrhundert zu einem zentralen Verkehrsknotenpunkt mit einem der größten Binnenhäfen Europas werden. Auch nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts der Rhein südlich von Mannheim schiffbar gemacht wurde, blieb die Stadt zentraler Umschlagplatz für Waren, die von der Küste in den Süden transportiert wurden. Unweit vom Hafen entstand ein zentraler Güter-Rangierbahnhof. Unter den Nationalsozialisten sollte von hier aus die erste Autobahnstrecke Deutschlands in Betrieb genommen werden. Bahn und Straßenverkehr sind die Bildthemen der damaligen Zeit. Den stärksten Nachhall in den Arbeiten der Mannheimer Künstler hat jedoch der Hafen mit seinen Wasserstraßen, Schiffen und Verladekränen gefunden.

Mit der Industrialisierung entstanden auch neue Druckverfahren, die eine preiswerte Herstellung von druckgraphischen Auflagen in bisher unerreichter Höhe ermöglichten. Seit Anfang des Jahrhunderts konnten Firmen auf diese Weise massenhaft mit Plakaten für ihre industriell erzeugten Serienprodukte werben. In den 1920er Jahren prägt eine produktbezogene Sachlichkeit mit klarer Typographie und die Fotomontage als modernes Stilmittel das Erscheinungsbild dieser Plakate. Rauchende Schornsteine werden zum Symbol einer prosperierenden Industrie mit Vollbeschäftigung und Wohlstand. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wird die Sprache der Plakate martialischer. Diagonal in den Bildraum ragende Schornsteine erinnern an Kanonenrohre und bereiten die Bevölkerung auf den nahenden Krieg vor.

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Pressekonferenz „Mannheim wächst. Bilder einer Industriestadt“
Dienstag 04. Dezember, 2018, 11 Uhr
Kunsthalle Mannheim, Alte Bibliothek

Mannheim wächst. Bilder einer Industriestadt
07. Dezember 2018 bis 10. März 2019
Eröffnung: 06. Dezember 2018, 19 Uhr
Kurator: Dr. Thomas Köllhofer

Karl Weber: Handwerkskunst im Maschinenzeitalter, 1928 Foto: MARCHIVUM

Karl Weber: Handwerkskunst im Maschinenzeitalter, 1928 Foto: MARCHIVUM
Karl Weber: Handwerkskunst im Maschinenzeitalter, 1928 Foto: MARCHIVUM
Karl Weber: Handwerkskunst im Maschinenzeitalter, 1928 Foto: MARCHIVUM