MUTTER und MINDBOMBS: Die Kunsthalle Mannheim blickt im Herbstprogramm zwei Highlights entgegen

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René Magritte, Der Geist der Geometrie, ca. 1936 © René Magritte, The Estate of Magritte/ VG Bild-Kunst, Bonn 2021
MUTTER und MINDBOMBS: Die Kunsthalle Mannheim blickt im Herbstprogramm zwei Highlights entgegen
02.07.21
Leon Kaessmann

Die Kunsthalle Mannheim bereitet sich auf den Ausstellungsherbst vor und blickt mit „MUTTER!“ und „MINDBOMBS“ gleich zwei Highlights entgegen. Die große Sonderausstellung „MUTTER!“ in Kooperation mit dem dänischen Louisiana Museum of Modern Art eröffnet am 1. Oktober 2021. Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Mutterschaft im Zusammenspiel mit Kunst, Kulturgeschichte, Religion, Literatur, Musik, Film, Medizingeschichte und Design. Ab dem 10. September beleuchtet die Kunsthalle außerdem mit „MINDBOMBS“ Phänomene des Extremismus und Terrorismus aus Perspektive der zeitgenössischen Kunst. Die Schau öffnet anlässlich des Gedächtnisses an die Anschläge des 11. September 2001.

MUTTER! (01.10.21–06.02.22)

PK: 29.09.21
Ob liebevoll oder distanziert, nah oder fern, lebendig oder tot – sie bleibt immer Ursprung und Beginn des menschlichen Lebens: Die Mutter. Kaum ein Begriff, provoziert vielfältigere Assoziationen, Empfindungen und Rollenklischees. Mit dem internationalen Ausstellungsprojekt „MUTTER!“ zeigt die Kunsthalle Mannheim in Kooperation mit dem dänischen Louisiana Museum of Modern Art, wie unterschiedliche Wahrnehmungen von Mutterschaft in der Kunst - von Alten Meistern, über Werke der frühen Avantgarde bis zur Gegenwart - gespiegelt werden. Mit Arbeiten von Egon Schiele, Pablo Picasso und Paula Modersohn-Becker bis hin zu Louise Bourgeois, Yoko Ono und Rineke Dijkstra konzentriert sich die Schau auf eine Zeit, in der die feministische Bewegung die traditionelle Rolle der Frau in Frage stellt. Vom 20. Jahrhundert mit der Erfindung der Antibabypille und der legalisierten Abtreibung bis hin zu heutigen Rollenkonzepten zwischen biotechnologischen Möglichkeiten und queeren Familienstrukturen wird das Bild der Mutter im Hinblick auf kulturelle Erwartungen und Normen
untersucht. In der Ausstellung treffen zeitgenössische Kunst, historische Werke, Film und Literatur sowie Artefakte aus der Welt der Wissenschaft und der Populärkultur aufeinander, um das facettenreiche Thema der Mutterschaft zu erzählen.

Zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Mutterschaft“ in all seiner Vielfalt, initiiert die Kunsthalle Mannheim begleitend zur Ausstellung das Projekt Familienzimmer. Inmitten der Ausstellungsräume wird im Herbst ein öffentlich zugänglicher und vielfältig nutzbarer Raum geschaffen, den Familien, Vereine, Gruppen oder Einzelpersonen für Workshops, Community-Treffen und Gemeinschaftsaktionen kostenfrei nutzen können. Über eine Ausschreibung hatte das Museum im Februar 2021 aufgerufen, Programmideen zur Bespielung des Projektraums einzureichen. Gemeinsam mit den Botschafter*innen des Projekts „Familienzimmer“ - interkulturelle Communities, soziale Einrichtungen und mit der Thematik „Mutter“ verbundene Akteur*innen der Mannheimer Stadtgesellschaft - gestaltet das Team der Kunsthalle Mannheim aus den mehr als 30 Einreichungen das partizipatorische Programm. Mit dabei sind u.a. Musik, Debatten, Lesungen, Hör-Stationen und Eltern-Kind-Treffs.

MINDBOMBS – Visuelle Kulturen politischer Gewalt (10.09.21–24.04.22)

PK: 08.09.21
RAF, NSU und IS stehen für terroristische Gruppen, deren extremistische Propaganda und politische Gewalt die bildenden Künste zu entschiedenen Reaktionen herausfordern. Die Ausstellung „MINDBOMBS“ eröffnet ab September eine hochaktuelle künstlerische Perspektive auf die Geschichte und politische Ikonografie des modernen Terrorismus. Erstmals werden in drei Sektionen vergleichend die Effekte des sozialrevolutionären, des rechtsextremen und des dschihadistischen Terrorismus auf die visuelle Kultur untersucht. 20 Jahre nach dem 11. September 2001 und 10 Jahre nach der Entdeckung des NSU widmet sich die Ausstellung dem Kampfbegriff „Terrorismus“ und stellt die Macht der Gewalt kritisch dar. Gezeigt werden Arbeiten von Künstler*innen wie Kader Attia, Forensic Architecture, Khalid Albaih, Christoph Draeger, Olaf Metzel, Almut Linde, Henrike Naumann und Gerhard Richter. Besonders angesichts rechtsextremer Terrorakte in Deutschland, den USA, Norwegen oder Neuseeland wird deutlich, wie aktuell und relevant die Kritik an politischer Gewalt speziell vor dem Hintergrund der Verbrechen des Nationalsozialismus ist.

AUF EINEN BLICK
Titel: MUTTER!

Laufzeit: 01.10.21–06.02.22

PK: 29.09.21

Kurator*innen: Johan Holten (Kunsthalle Mannheim), Kirsten Degel (Louisiana Museum of Modern Art), Marie Laurberg (Louisiana Museum of Modern Art)

Titel: MINDBOMBS

Laufzeit: 10.09.21–24.04.22

PK: 08.09.21

Kurator: Dr. Sebastian Baden