Vom Schicksal eines Chagall-Gemäldes: Internationaler Experte für "entartete Kunst" hält Online-Vortrag

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Marc Chagall, Die Prise (Der Rabbiner), Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler
Vom Schicksal eines Chagall-Gemäldes: Internationaler Experte für "entartete Kunst" hält Online-Vortrag
19.04.21
Leon Kaessmann

Mehr als sechs Jahre wurde in der Sammlung der Kunsthalle Mannheim nach sogenannter Raubkunst geforscht. Die Ergebnisse dieses langjährigen Prozesses führte Provenienzforscher und Kurator Dr. Mathias Listl in der Ausstellung „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ eindrücklich zusammen. Die Ausstellung, die zusammen mit dem Neubau der Kunsthalle am 1. Juni 2018 eröffnete, findet am Sonntag, den 25. April 2021, um 11 Uhr, mit dem Vortrag des internationalen Experten auf dem Gebiet der „entarteten Kunst“ Prof. Dr. Christoph Zuschlag ihren Abschluss. Ab dann wird die Präsentation digital als 3-D-Rundgang über die Website der Kunsthalle verfügbar sein.

 

In seinem Vortrag geht der Bonner Kunsthistoriker Christoph Zuschlag auf die 600 1937 in Mannheim als „entartete Kunst“ beschlagnahmten Werke ein, besonders auf das Ölgemälde „Die Prise (Der Rabbiner)“ von Marc Chagall. Denn gerade dieses Werk, das sich heute in der Sammlung des Kunstmuseums Basel befindet, wurde von der nationalsozialistischen Hetzkampagne besonders stark angefeindet. Zuschlag zeichnet das wechselhafte Schicksal des Gemäldes zwischen seinem Entstehungsjahr 1926 und 1939, dem Jahr seiner Erwerbung durch das Kunstmuseum Basel, detailliert nach. 1933 stand es im Fokus der Propaganda-Ausstellung „Kulturbolschewistische Bilder“ der Kunsthalle Mannheim, wurde danach zur Verspottung auf einem Wagen durch die Stadt gezogen und in Schaufenstern ausgestellt. Auch in der vierjährigen Wanderausstellung „Entartete Kunst“, die in München ihren Anfang nahm, wurde „Der Rabbiner“ unter Schmähsprüchen gezeigt.

 

Die Präsentation „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ (01.06.18  – 25.04.21) veranschaulicht die Auswirkungen, die die Zeit des Nationalsozialismus bis heute auf die Kunsthalle Mannheim, ihre Sammlung sowie auf die mit dem Museum verbundenen Menschen hat. Ein Fokus liegt auf dem dauerhaften Verlust von über 500 Werken, den das Museum 1937 im Zuge der Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ erlitten hat. Deutlich wird aber auch, dass die Kunsthalle Mannheim nicht ausschließlich als Opfer zu begreifen ist. In der Ausstellung wird mit den „Kulturbolschewistischen Bildern“ gleichzeitig auch der Blick auf jene 1933 von der Kunsthalle Mannheim durchgeführte Propaganda-Ausstellung gelenkt, die am Anfang der nationalsozialistischen Hetzkampagnen gegen die moderne Avantgarde steht.

 

AUF EINEN BLICK

Titel: (Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“

Laufzeit: 01.06.18  – 25.04.21

Kurator: Dr. Mathias Listl

Online-Rundgang durch die Ausstellung

 

Sonntag, 25.04.21, 11 Uhr
Online-Vortrag von Prof. Dr. Christoph Zuschlag, Uni Bonn
Die Prise (Der Rabbiner)“ von Marc Chagall – Vom Schicksal eines als „entartet“ diffamierten Gemäldes

Ticket: 5€

Im Ticket-Shop unter folgendem Link verfügbar: https://shop.kuma.art/#/product/event/257?date=2021-04-25&date_id=6279