Zwischen Expressionismus und Abstraktion – Ausgewählte Werke aus der Sammlung der Kunsthalle

Franz Marc: Drei Tiere, 1912

Franz Marc, Drei Tiere, 1912 © Foto: Kunsthalle Mannheim, Cem Yücetas
Zwischen Expressionismus und Abstraktion – Ausgewählte Werke aus der Sammlung der Kunsthalle
19.11.21
Mathias Listl

Als Fritz Wichert (1878–1951) 1909 zum ersten Direktor der Kunsthalle ernannt wurde, steuerte die Bewegung des Expressionismus gerade auf ihren Höhepunkt zu. Künstler*innen wie Franz Marc, Paula Modersohn-Becker oder August Macke versuchten in ihren Werken vor allem Emotionen zum Ausdruck zu bringen und dadurch auch die Betrachtenden innerlich zu bewegen. Wie sein Nachfolger Gustav Friedrich Hartlaub (1884–1963) setzte sich auch Wichert intensiv mit dieser vor allem in Deutschland und Frankreich blühenden Strömung auseinander. Er widmete ihr nicht nur zahlreiche Ausstellungen, sondern kaufte auch bedeutende expressionistische Werke für das Museum an. Dieser durch spätere Ankäufe noch erweiterte Sammlungsschwerpunkt bildet den Auftakt der neuen Sammlungspräsentation im westlichen Obergeschoss des Billing Baus. Mit wechselndem Fokus auf die Gattungen Malerei und Skulptur werden in den beiden ersten Ausstellungsräumen Vorläufer*innen wie Hauptvertreter*innen dieser Kunstrichtung präsentiert, darunter etwa Edvard Munchs Utsikt fra Nordstrand (Aussicht von Nordstrand), Franz Marcs Drei Tiere (Hund, Fuchs und Katze) oder Milly Stegers Frauenbildnis.
Vor allem Hartlaub hatte aber auch die fast gleichzeitig mit dem Expressionismus einsetzenden Entwicklungen hin zu einer abstrakten bis gegenstandslosen Kunst im Blick. Eine Art Zwischenbilanz dieser Tendenzen zog er gegen Ende der 1920er Jahre in der Ausstellung Wege und Richtungen der abstrakten Malerei in Europa. Werke damals gezeigter Künstler wie Robert Delaunay, Wassily Kandinsky oder Paul Klee bilden deshalb den Abschluss des kleinen Rundgangs vom Expressionismus bis hin zu abstrakten Positionen. Einem Meisterwerk des italienischen Futurismus ist schließlich ein weiterer Raum gewidmet: Umberto Boccionis 1913 entstandene Urformen der Bewegung im Raum können die Besucher*innen in einer Einzelpräsentation hautnah und aus unterschiedlichsten Position heraus betrachten.
Darüber hinaus bietet die neue Sammlungspräsentation aber auch Einblicke in die Provenienzforschung, die in den letzten Jahren an der Kunsthalle geleistet wurde. In den sog. Provenienzboxen, die einzelnen Gemälden und Skulpturen zugeordnet sind, finden sich aus den Recherchen gewonnene Erkenntnisse über die Herkunftsgeschichte des jeweiligen Werks.

Weitere Blogbeitraege

Kunst gegen alle Regeln: Materialexperimente und Graffiti bei CoBrA

Ein Beitrag von Christiane Wichmann und Eva-Maria Winter „Wir weigern uns, die Kunst als das Eigentum genialer Menschen zu betrachten, und wir glauben, dass das ganze Volk genügend Möglichkeiten in sich trägt, um aktiv am künstlerischen Schaffensprozess teilzunehmen.“ 1 Mit ihren experimentellen Werken strebte das Künstlerkollektiv CoBrA einen... Blogbeitrag lesen

Wiederentdeckte Avantgardistinnen: die Künstlerinnen von CoBrA

Die Frage der Gleichberechtigung von Frauen – in der Kunst wie in jedem anderen Bereich – hängt weder vom relativen Wohlwollen noch von der Missgunst einzelner Männer, nicht vom Selbstvertrauen oder der Unterwürfigkeit einzelner Frauen ab, sondern vielmehr von der Beschaffenheit unserer institutionellen Strukturen und ihrer Sicht auf die Realität, die sie... Blogbeitrag lesen

Nach uns die Freiheit? – CoBrAs Rebellion zwischen Krieg und Frieden

Der Inhalt der Kunst aber ist der Mensch – zusammen mit seinen Wünschen. Dies alles ist sowohl schön als auch unschön. (Asger Jorn)  (1)Die jungen Künstler*innen von CoBrA verbindet bereits vor ihrem internationalen Zusammenschluss 1948 ein engagiertes Ziel: Konfrontiert mit den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und der Entmenschlichung durch die... Blogbeitrag lesen

„So much history!“ Zum Anselm Kiefer-Hype in den USA

Wie wird einer der berühmtesten deutschen Künstler in der aktuellen Forschung behandelt? Gibt es zum Werk Anselm Kiefers überhaupt noch neue Ansätze oder gar offene Fragen, die es zu diskutieren gibt? Diesen Fragen stellte sich die Kunsthalle Mannheim anlässlich der Ausstellung „Anselm Kiefer“ im Jahr 2021 in einem Online-Symposium mit fünf Vorträgen von... Blogbeitrag lesen

Informel und Monochromie: ein neu kuratierter Kubus im Neubau

Ab 18. November 2022 steht das Ausstellungsgeschehen in der Kunsthalle ganz unter dem Motto „Becoming CoBrA. Anfänge einer europäischen Kunstbewegung“. Der Name der Künstler*innengruppe, die von 1948 bis 1951 existierte, setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam zusammen, aus denen die Gründungsmitglieder stammten.... Blogbeitrag lesen

MELDEN SIE SICH FÜR DEN NEWSLETTER AN

Die Kunsthalle Mannheim informiert Sie regelmäßig über das Museum, aktuelle Ausstellungen und Veranstaltungen.

Anmelden